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Wie Körper und ADHS zusammenarbeiten

Wenn über ADHS gesprochen wird, denken viele zuerst an Konzentration, Organisation oder Impulsivität. Also an Dinge, die im Kopf passieren.

Dabei zeigt sich ADHS oft genauso deutlich im Körper.

Viele Menschen mit ADHS leben in einem Zustand von erhöhter innerer Aktivität. Gedanken springen, Reize kommen schnell rein, Emotionen können intensiv sein. Dieses dauerhafte Verarbeiten von Eindrücken betrifft nicht nur das Gehirn. Es beeinflusst auch Atmung, Muskelspannung, Energie und Erschöpfung.

Der Körper ist in diesem Sinn kein Nebenschauplatz. Er ist Teil des Systems.

Viele Erwachsene mit ADHS merken zum Beispiel erst spät, wie viel Spannung sie im Körper tragen. Schultern sind hochgezogen, der Kiefer angespannt, der Atem eher flach. Das fühlt sich irgendwann so normal an, dass es gar nicht mehr auffällt. Studien zeigen sogar, dass bei ADHS der Muskeltonus tatsächlich häufiger erhöht ist und sich über Jahre Verspannungen oder Schmerzen entwickeln können. ADHS von A-Z – un_fold

Man könnte sagen: Das Nervensystem läuft oft im „Bereitschaftsmodus“.

Dieser Zustand entsteht nicht, weil jemand etwas falsch macht. Er ist eher eine Folge davon, wie das ADHS-Nervensystem Reize verarbeitet. Eindrücke werden schneller durchgelassen, Emotionen kommen unmittelbarer an, und das System versucht ständig mitzuhalten.

Der Körper reagiert darauf.

Manche Menschen merken das als innere Unruhe oder Bewegungsdrang. Beine wippen, Finger trommeln, der Körper möchte sich bewegen. Andere erleben eher das Gegenteil: eine Art Abschalten oder Einfrieren, wenn alles zu viel wird. Auch das ist eine Schutzreaktion des Nervensystems. Wenn Reize oder Emotionen überfordern, kann das System in einen Shutdown gehen und Wahrnehmung sowie Handlung stark herunterfahren. ADHS von A-Z – un_fold

Beides sind keine Fehlfunktionen.

Es sind Versuche des Körpers, mit einer intensiven Reizwelt umzugehen.

Genau hier kann Körperwahrnehmung hilfreich werden. Nicht als Technik, um sich „zusammenzureißen“, sondern als Möglichkeit, das eigene Nervensystem besser kennenzulernen.

In somatischen Ansätzen wie der Feldenkrais-Methode geschieht das über kleine, langsame Bewegungen. Dabei geht es nicht um Training oder richtige Haltung. Es geht darum, Unterschiede wahrzunehmen: Wie fühlt sich eine Bewegung an, wenn sie kleiner wird? Was verändert sich im Atem? Wo entsteht mehr Leichtigkeit?

Solche Experimente geben dem Nervensystem oft zum ersten Mal seit Langem die Erfahrung, dass Veränderung nicht über Druck passieren muss. Kleine Bewegungen und ein ruhiger Fokus können helfen, Spannung zu reduzieren und Wahrnehmung zu verfeinern. Viele erleben, dass Gedanken sich dabei nicht „abschalten“ müssen, sondern sich einfach an einen sanften Körperfokus andocken können. ADHS von A-Z – un_fold

Mit der Zeit entsteht daraus etwas sehr Praktisches: ein feineres Gespür für Grenzen.

Man merkt früher, wann etwas zu viel wird. Wann eine Pause sinnvoll wäre. Wann der Körper eigentlich schon längst signalisiert hat, dass er eine andere Geschwindigkeit braucht.

Das verändert nicht sofort das ganze Leben. Aber es schafft kleine Momente von Wahlfreiheit.

ADHS verschwindet dadurch nicht. Doch der Umgang damit kann sich verändern.

Der Körper wird dann nicht mehr nur als Ort von Stress oder Erschöpfung erlebt. Sondern auch als Informationsquelle.

Und manchmal reicht schon dieser Perspektivwechsel:
nicht gegen den eigenen Körper zu arbeiten, sondern neugierig zu beobachten, wie er eigentlich versucht zu helfen.

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